Können Babys von Geburt an ihre Ausscheidungen kontrollieren? Und ist es wirklich möglich, ein Baby ohne Windeln aufwachsen zu lassen? In diesem Artikel schauen wir uns das Konzept der Ausscheidungskommunikation – auch bekannt als Abhalten oder Windelfrei – genauer an. Auch wenn es auf den ersten Blick absurd klingt, zahlt es sich aus, sich kurz damit zu beschäftigen, wenn du ein Baby hast oder eins erwartest. Viele Eltern von Babys mit Koliken hätten sich gewünscht, diese durch Abhalten lindern zu können. Und warum sollten wir unserem Baby eine Windel angewöhnen, um es später wieder abzugewöhnen? Es lohnt sich also, Windelfrei einmal näher anzusehen.
Was ist Ausscheidungskommunikation?
Vielleicht hast du schon mal von Ausscheidungskommunikation oder dem englischen Begriff Elimination Communication gehört. Das Konzept geht davon aus, dass Babys von Geburt an sich selbst und ihr „Nest“ nicht beschmutzen möchten. Babys spüren also, wann sie ausscheiden müssen, und haben das Bedürfnis, dies außerhalb einer Windel zu tun. Wir können mit ihnen darüber „kommunizieren“, indem wir zum Beispiel auf bestimmte Signale achten. Das klingt vielleicht komisch, wenn du es zum ersten Mal hörst. Doch wie oft berichten Eltern, dass ihr Baby genau in dem Moment sein Geschäft erledigt, in dem die Windel gerade ausgezogen wurde? Genau! Und wenn wir uns andere Kulturen oder Familien ansehen, die Ausscheidungskommunikation praktizieren, wird deutlich, dass dieses Konzept tatsächlich funktioniert. Wie hätten es sonst Eltern tausende von Jahren lang geschafft, bevor es Windeln gab? In der westlichen Welt haben wir verlernt, die Ausscheidungssignale unserer Babys wahrzunehmen. Doch wenn wir genau hinschauen, zeigen die meisten Babys, wann sie müssen.
Was ist Abhalten?
Windelhersteller haben es geschafft, uns einzureden, dass ein Baby immer eine Windel braucht. Aber ist das wirklich so? Laut Ausscheidungskommunikation nicht. Im Gegenteil, es würde sogar dem natürlichen Bedürfnis des Babys widersprechen. Wenn man einem Baby immer eine Windel anzieht, lernt es irgendwann, dass es sein Geschäft in der Windel machen soll, und beschwert sich schließlich nicht mehr, weil es an die Windel gewöhnt ist. Und dann müssen wir, wenn das Kind etwa drei Jahre alt ist, die Windel wieder abgewöhnen.
Anders sieht es aus, wenn wir Ausscheidungskommunikation praktizieren. Dann lernt das Kind, dass wir auf seine Bedürfnisse achten, und wird dadurch ganz ohne Druck oder Töpfchentraining automatisch trocken. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir keine Windeln benutzen dürfen. Um Unfälle zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, dem Kind eine (Stoff)windel anzuziehen. Der Unterschied liegt darin, dass wir, wenn wir merken, dass es mal muss, das Baby außerhalb der Windel entleeren lassen – wir halten es also ab. Ein Baby kann zum Beispiel oberhalb eines Töpfchens, der Toilette oder einem Waschbecken abgehalten werden.
Ist abhalten nicht viel Arbeit?
Wenn du zum ersten Mal vom Abhalten hörst, denkst du vielleicht: Boah, das klingt nach richtig viel Arbeit. Wie soll ich es schaffen, mein Baby den ganzen Tag zu beobachten? Keine Sorge, das musst du nicht. Du kannst ganz einfach in Standardsituationen beginnen, zum Beispiel wenn du deinem Baby gerade eine frische Windel anziehst. Außerdem gibt es bestimmte Signale, die dein Baby gibt, wenn es mal muss, wie zum Beispiel An- und Abdocken beim Stillen, plötzliche Unruhe oder Weinen. Wenn dein Baby solche Signale zeigt, bist du ohnehin bei ihm und versuchst, es zu beruhigen. Warum also nicht direkt abhalten? Oft beruhigen sich Babys dadurch sogar schneller. Zusätzlich gibt es weitere Vorteile, wie weniger Koliken und Bauchschmerzen. Mehr über die Vorteile von Windelfrei erfährst du in diesem Artikel.


An- und Abdocken beim Stillen ist ein Zeichen, dass dein Baby mal muss. Du kannst dein Baby auch in Standardsituationen abhalten, zum Beispiel nach dem Stillen oder nach dem Baden.
Was ist Windelfrei?
Du weißt nun, was Ausscheidungskommunikation und Abhalten bedeuten. Oft wird auch der Begriff „Windelfrei“ verwendet, um diese Konzepte zu beschreiben. Viele Eltern, die sagen, dass sie Windelfrei praktizieren, nutzen sehr wohl (Stoff-)Windeln, bieten ihrem Baby aber immer wieder die Möglichkeit, sich außerhalb der Windel zu entleeren. Streng genommen bedeutet Windelfrei, dass das Baby keine Windel trägt – sei es für kurze Zeit oder dauerhaft. Wir finden jedoch, dass man das nicht zu streng sehen sollte – genauso wie beim Abhalten selbst. Wenn es klappt, ist das wunderbar, aber Perfektion ist nicht das Ziel. Selbst wenn du nur gelegentlich schaffst, dein Baby außerhalb der Windel zu entleeren, ist das schon großartig. Sicherlich ist es wichtig, die Bedürfnisse deines Babys so gut wie möglich zu beachten, aber du solltest auch deine eigenen Bedürfnisse nicht vergessen. Wenn du es beispielsweise im Wochenbett nicht schaffst, dein Baby abzuhalten, mach dir bitte kein schlechtes Gewissen. Du kannst jederzeit später damit beginnen.
Windelfrei und Stoffwindeln
Du hast bereits viele Stoffwindeln zu Hause und erfährst jetzt von Windelfrei? Kein Problem – du kannst deine Stoffwindeln weiterhin als Back-up verwenden. Sie eignen sich dafür sogar besonders gut, da sie sich nass anfühlen, wenn etwas hineingeht. So verliert dein Kind nicht das Gefühl für seine Ausscheidungen, auch wenn du es mal nicht schaffst, es abzuhalten. Bei Wegwerfwindeln ist das anders: Der Superabsorber saugt das Pipi sofort auf, sodass das Nässegefühl ausbleibt. Ein weiterer Vorteil der meisten Stoffwindelsysteme ist, dass du die Saugkraft flexibel anpassen kannst. Es gibt sogar spezielle Abhaltewindeln, die sich beim Abhalten einfach wegklappen lassen, um es dir noch leichter zu machen. Auch Abhaltekleidung, wie zum Beispiel Cowboy-Hosen mit einer Öffnung, erleichtert das Abhalten. Allerdings ist das kein Muss – du kannst einfach die Kleidung und Windeln nutzen, die du bevorzugst. Falls du bereits Stoffwindeln zu Hause hast und dir lieber Abhaltewindeln wünschst, gibt es praktische Windelgürtel, mit denen du deine normalen Stoffwindeln in Abhaltewindeln verwandeln kannst.
Windelfrei: Es lohnt sich, es auszuprobieren!
Egal, ob wir es Abhalten, Ausscheidungskommunikation oder Windelfrei nennen – es lohnt sich wirklich, sich damit auseinanderzusetzen. Es liegt in unserer Natur, frei ausscheiden zu können, auch wenn Wegwerfwindelhersteller uns etwas anderes einreden möchten. Wir finden es ganz normal, dass wir die anderen Grundbedürfnisse von Babys, wie Hunger und Schlaf, stillen. So sollte es auch mit dem Ausscheiden sein. Das führt nicht nur zu glücklicheren Babys und Eltern, sondern schont auch die Umwelt. Ein Schritt zurück zur Natur, der uns allen guttut. Wir hoffen, dich inspiriert zu haben, es auszuprobieren. Lies dann gerne jetzt diesen Artikel über die ersten Schritte von Windelfrei.
Dieser Artikel wurde geschrieben von: Kirsten

Kirsten ist die Gründerin von Waschbare Welt und Nachhaltigkeit ist ihr Herzensthema. Für ihre Kinder waren Stoffwindeln ein logischer Schritt. Seit 2023 ist sie ausgebildete Stoffwindelberaterin und hat schon viele Eltern begleitet. Mit der Zeit kamen weitere Themen dazu: Windelfrei, waschbare Periodenprodukte und Free Bleeding. Auch hier möchte sie Wissen teilen, Unsicherheiten nehmen und zeigen, wie einfach nachhaltige Lösungen sein können. Auf Instagram @waschbarewelt und hier auf waschbarewelt.com findest du Tipps, Erfahrungen und Empfehlungen: ehrlich, alltagstauglich und mit viel Liebe zur Natur.
Quelle: natürlich geliebt: Der ultimative Guide zur Ausscheidungs-Kommunikation.
Fotocredits: Titelbild: Yankrukov (Pexels), Stillen: Helen1 (Pexels), Baden: RDNE (Pexels).
