Stoffwindelsysteme: Ein Überblick über die verschiedenen Arten von Stoffwindeln

Stoffwindelsysteme: Ein Überblick über die verschiedenen Arten von Stoffwindeln

Du möchtest etwas Gutes für die Umwelt und dein Baby tun und in Zukunft mit Stoffwindeln wickeln. Am liebsten würdest du sofort ein Stoffwindelset kaufen und loslegen. Aber warte mal … plötzlich merkst du, dass es viele verschiedene Stoffwindelsysteme gibt: All-in-One, All-in-Two, All-in-Three … Was bedeutet das alles, und wie sollst du dich entscheiden? Nach dem Lesen dieses Artikels kennst du die Vor- und Nachteile jedes Systems und fällt es dir bestimmt leichter die richtige Wahl zu treffen.

Warum gibt es so viele verschiedene Stoffwindelsysteme?

Früher haben Eltern auch mit Stoff gewickelt – warum gibt es denn heute so viele verschiedene Möglichkeiten? Lass uns erst mal eins klarstellen: Die modernen Stoffwindeln sind etwas ganz anderes als die Stoffwindeln von früher. Sie sind viel einfacher zu benutzen und lassen sich problemlos in der Waschmaschine waschen. Da jede Familie individuelle Bedürfnisse hat, wurden verschiedene Systeme entwickelt. Einige Stoffwindelsysteme sind besonders einfach in der Handhabung, andere wiederum flexibler oder langlebiger. Und auch Babys sind unterschiedlich. So gibt es für jedes Baby ein passendes System. Es lohnt sich, sich kurz mit den Optionen auseinanderzusetzen, damit du die Stoffwindeln lange und gerne nutzen kannst.

Vorteile und Nachteile der verschiedenen Stoffwindelsysteme

Bevor wir uns die verschiedenen Stoffwindelsysteme genauer anschauen, ist es wichtig zu wissen, dass jede Stoffwindel grundsätzlich aus zwei Teilen besteht: einer wasserdichten Außenhülle und einem saugfähigen Innenbereich. Der Unterschied zwischen den Systemen liegt darin, wie diese Teile miteinander verbunden sind. Jedes Stoffwindelsystem hat dabei seine eigenen Vor- und Nachteile.

All-in-One (AIO)

„All in One“ bedeutet „alles in einem“. Bei dieser Windel ist der wasserdichte Außenteil fest mit dem saugfähigen Innenteil vernäht. Sie ähnelt einer Wegwerfwindel und ist daher besonders einfach in der Handhabung. All-in-One-Windeln sind ideal für Betreuungspersonen, die wenig Erfahrung mit Stoffwindeln haben.

Doch leider haben All-in-One-Windeln auch einige Nachteile: Sie sind meist weniger saugfähig als zweiteilige Systeme und man kann die Saugkraft nicht oder nur schwer anpassen. Außerdem muss man immer die gesamte Windel waschen, was nicht nur zu mehr Wäsche führt, sondern auch dazu, dass der wasserdichte Außenteil aus PUL (oder TPU) schneller verschleißt. Die PUL-Schicht ist nämlich der empfindlichste Teil der Windel. Wenn dieser bei einer All-in-One-Windel beschädigt wird, ist die gesamte Windel unbrauchbar. Mehr über PUL und TPU erfährst du in diesem Artikel.

All-in-Two (AI2 oder zweiteiliges System)

Auf dem linken Bild: Überhose mit Saugeinlage. Auf dem rechten Bild: Überhose mit Höschenwindel.

Bei einem All-in-Two, auch zweiteiliges System genannt, sind die wasserdichte Überhose und der absorbierende Innenbereich (auch Saugmaterial genannt) nicht miteinander verbunden. Dadurch kannst du die Überhose mehrmals verwenden und musst sie nicht jedes Mal waschen. Wie oft du die Überhose genau waschen musst, kannst du in diesem Artikel nachlesen. Das All-in-Two-System ist sehr flexibel, da du selbst entscheiden kannst, welche Art von Überhose und welchem Saugmaterial du verwendest. So lässt es sich genau auf die Bedürfnisse deines Babys anpassen. Es braucht aber ein wenig Übung, bis man weiß, welches Saugmaterial am besten geeignet ist. Lass uns nun etwas genauer anschauen, welche verschiedenen Überhosen und saugfähigen Innenteile es gibt.

Überhosen

Es gibt viele verschiedene Arten und Größen von Überhosen. Manche haben Klettverschlüsse, andere Druckknöpfe, und es gibt auch Schlupf-Überhosen. Die am häufigsten verwendeten Materialien für Überhosen sind PUL (Polyurethan-Laminat), TPU (Thermoplastisches Polyurethan) oder Wolle. Mehr über die Materialien von Überhosen erfährst du in diesem Artikel.

Saugmaterial

Neben einer wasserdichten Überhose brauchst du auch ein saugfähiges Innenteil, also Saugmaterial. Ohne diese Einlagen bleibt dein Baby nicht lange sauber und trocken, da Überhosen allein keinen vollständigen Schutz bieten. Hier sind die verschiedenen Optionen, die dir zur Verfügung stehen:

Von links nach rechts: gefaltete Mullwindel, zwei Höschenwindeln, drei verschiedene Saugeinlagen und ein Prefold.

  • Mullwindeln
  • Höschenwindeln
  • Saugeinlagen
  • Prefolds
  • Konturwindeln
  • Strickbindewindeln

Mehr über die verschiedenen Arten von Saugeinlagen und einige Videos kannst du dir in diesem Artikel ansehen.

Snap-in-One (SiO)      

Eine Snap-in-One-Windel besteht aus einer Saugeinlage, die mithilfe von Druckknöpfen oder Klett an einer Überhose befestigt wird. Der Vorteil dieses Systems ist, dass die Saugkraft je nach Bedarf angepasst werden kann und die Überhose nicht jedes Mal mitgewaschen werden muss. Es handelt sich also eigentlich um ein All-in-Two-System, bei dem die Einlage mit Druckknopf oder Klett an der Überhose fixiert wird. Der Vorteil einer Snap-in-One-Windel ist, dass sie sich sehr einfach vorbereiten lässt – ideal für Betreuungspersonen, die mit Stoffwindeln weniger vertraut sind.

All-in-Three (3-in-1)

Das All-in-Three (oder 3-in-1) System besteht aus drei Teilen:

  1. Die Außenwindel. Diese besteht meistens aus Baumwolljersey, aber es gibt sie zum Beispiel auch aus Leinen oder Wolle.
  2. Eine wasserdichte Innenwanne. Meistens aus PUL, aber es gibt sie auch aus Wolle.
  3. Saugmaterial: Hier kannst du alles verwenden was gut saugt, zum Beispiel Einlagen aus Baumwolle. Mehr über Materialien, die als Saugeinlagen verwendet werden können, findest du in diesem Blog.

Der Vorteil des All-in-Three (AI3) Systems ist, dass man in der Regel weniger Wäsche hat, da man die Wanne und die Außenwindel öfter verwenden kann (sofern sie nicht mit Stuhl verschmutzt sind). Außerdem kann man die Windel leicht vorbereiten, sodass man beim Wickeln nur noch eine Handlung vornehmen muss. Ein weiterer Vorteil ist, dass nur ein kleiner Teil der Windel nass wird. Das ist jedoch auch ein Nachteil, da der Platz für Saugmaterial begrenzt ist. Wenn man häufig wickelt, ist das kein Problem, aber für die Nacht sind AI3s weniger geeignet. Welche Windeln sich am besten für die Nacht eignen, erfährst du in diesem Blog.

Pocketwindel

Eine Pocketwindel ist eine wasserdichte Überhose aus PUL (oder TPU), die auf der Innenseite mit einer Stoffschicht vernäht ist. Der Clou: Zwischen dem Stoff und dem PUL befindet sich eine Taschenöffnung, in die du eine saugfähige Einlage einschieben kannst. Im Gegensatz zu All-in-One-Windeln kannst du bei Pocketwindeln die Saugkraft flexibel anpassen, was praktisch ist. Allerdings erfordert dies etwas mehr Aufwand, da die Saugeinlage separat eingefügt werden muss.

Ein weiterer Nachteil ist, dass bei Pocketwindeln (wie auch bei All-in-Ones) die gesamte Windel nach jeder Nutzung gewaschen werden muss, was dazu führt, dass der PUL schneller verschleißt als bei separaten Überhosen, die mehrfach verwendet werden können (wie z. B. bei All-in-Two-, Snap-in-One- oder All-in-Three-Systemen). Für Betreuungspersonen, die mit Stoffwindeln noch nicht vertraut sind, können Pocketwindeln jedoch eine praktische Wahl sein.

Stoffwindelsysteme: Wie entscheidest du dich?

Du weißt jetzt, welche Stoffwindelsysteme es gibt und was die Vor- und Nachteile sind. Vielleicht hast du schon eine Vorliebe. Innerhalb der verschiedenen Systeme gibt es jedoch noch viele unterschiedliche Modelle und Marken. Wenn du mehr über die verschiedenen Modelle erfahren möchtest und wissen möchtest, welches am besten zu deinem Baby passt, empfehlen wir eine Stoffwindelberatung. Eine Stoffwindelberaterin kann dir zum Beispiel genau sagen, welche Windeln am besten zur Statur deines Babys passen, und sie kann dir helfen, das System zu finden, das deinen Bedürfnissen und denen deines Babys am besten entspricht.

In diesem Video siehst du noch eine kurze Zusammenfassung der verschiedenen Stoffwindelsysteme:

Quellen: Stefanie Maier: Ausbildung für Stoffwindelberaterinnen, Nappy’s.nl: welk systeem kies ik.

Fotocredits: Kirsten Schoner.

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