Freie Menstruation: Warum bei Free Bleeding nicht alles in die Hose gehen muss

Freie Menstruation: Warum bei Free Bleeding nicht alles in die Hose gehen muss.

Viele denken bei freier Menstruation, auch Free Bleeding oder freies Bluten genannt, an blutige Hosen. Doch das muss nicht so sein. Wenn du zum ersten Mal davon hörst, klingt es vielleicht kaum vorstellbar, aber es gibt Frauen, die ihr Menstruationsblut gezielt auf der Toilette ablassen können. Und auch du kannst das lernen. Das hat einige Vorteile: Du brauchst weniger oder gar keine Periodenprodukte mehr, viele Frauen berichten von weniger Periodenschmerzen und manchmal wird sogar die Dauer der Periode kürzer. Was freie Menstruation genau ist und wie sie funktioniert, erfährst du in diesem Artikel.

Was ist Free Bleeding oder freie Menstruation genau?

Es gibt verschiedene Definitionen von Free Bleeding, das auf Deutsch auch freie Menstruation genannt wird. Bevor ich dir genauer erkläre, wie du deine Periode angenehmer erleben kannst, schauen wir uns kurz an, was genau damit gemeint ist. Manche verstehen unter Free Bleeding, das Menstruationsblut einfach frei laufen zu lassen. Das kann einfach so in der Hose sein, zum Beispiel als Zeichen, dass wir uns nicht für unsere Periode schämen müssen. Aber es kann auch mit einem Backup wie Periodenunterwäsche sein. Wenn ich über Free Bleeding spreche, meine ich nicht nur das freie Laufenlassen, sondern vor allem das bewusste Wahrnehmen deines Körpers und das gezielte Ablassen des Blutes, zum Beispiel auf der Toilette.

Mit Free Bleeding Menstruationsschmerzen lindern

Was alle Definitionen von Free Bleeding gemeinsam haben, ist, dass das Periodenblut frei rausfließen kann. Es werden also keine inneren Periodenprodukte wie Menstruationstassen, Menstruationsscheiben, Menstruationsschwämme oder Tampons verwendet, die das Blut im Körper sammeln, bevor du sie wechselst. Während der Periode baut dein Körper die oberste Schleimhautschicht in der Gebärmutter ab und stößt sie ab. Das Blut sammelt sich in der Gebärmutter, und der Muttermund öffnet sich leicht, damit es nach außen fließen kann. Viele empfinden es als angenehmer, wenn dieser Prozess einfach ungehindert ablaufen kann – also ohne zum Beispiel Tampons oder Menstruationstasse. Viele Frauen berichten, dass ihre Periodenschmerzen weniger werden, wenn das Periodenblut frei rausfließen kann.

Am besten startest du mit Free Bleeding zuhause, wenn du Zeit hast, auf deinen Körper zu achten und eine Toilette in der Nähe ist.

Freie Menstruation: Wie spüre ich, dass das Blut rausfließen möchte?

Okay, es ist also gut, die Monatsblutung einfach frei rausfließen zu lassen, und das kann der erste Schritt beim Free Bleeding sein. Aber da geht noch mehr. Genauso wie wir spüren, dass wir aufs Klo müssen, können wir auch lernen wahrzunehmen, wann unser Menstruationsblut rausfließen möchte. Wir bluten nämlich nicht durchgehend; das Blut kommt eher in Schüben. Ein Zeichen kann zum Beispiel ein Ziehen im Unterleib sein oder das Gefühl, dass du pinkeln musst. Bei den meisten braucht das etwas Übung. Aber wenn du es einfach jeden Monat ausprobierst, wirst du merken, dass es mit der Zeit leichter wird und du ein besseres Gefühl für deinen Körper bekommst. Ein Versuch ist es doch wert, oder?

Anfangen mit Free Bleeding

Wenn du Free Bleeding ausprobieren möchtest, würde ich dir empfehlen, am Anfang ein Backup zu benutzen, damit du nicht jedes Mal deine Kleidung waschen musst. Hier eignen sich Periodenunterwäsche oder Stoffbinden sehr gut. Am besten startest du an einem Tag, an dem du zuhause bist und es möglichst ruhig ist. Als ich angefangen habe, war meine damals zweijährige Tochter fast immer bei mir – aber es war deutlich leichter, wenn sie mal nicht da war. Was dir am Anfang auch helfen kann: viel trinken. Wenn du öfter auf die Toilette musst, lässt du meistens auch automatisch öfter Blut ab.

Du musst damit rechnen, dass du an den ersten Tagen deiner Menstruation etwa alle 30 Minuten auf die Toilette gehst, um das Blut abzulassen. Das ist natürlich bei jeder unterschiedlich, aber bei den meisten ist es in den ersten Tagen der Menstruation recht häufig. An leichteren Tagen kommen die Schübe deutlich seltener und es können auch mehrere Stunden dazwischen liegen. Auch wenn es anstrengend klingt: Viele berichten, dass sich Periodenschmerzen dadurch lindern können und die Periode manchmal sogar kürzer wird. Und wenn du nach deinem Zyklus lebst, ist es sowieso sinnvoll, dir in den ersten Tagen deiner Periode mehr Ruhe zu gönnen, damit du danach wieder voller Energie bist.

Freie Menstruation ist kein Wettbewerb

Es geht nicht darum, dass du es immer schaffst, das Blut in der Toilette abzulassen. Es wird sicherlich passieren, dass der Alltag dazwischenkommt. Unnötiger Druck ist schade und wenn du mal keine Toilette in der Nähe hast, kannst du einfach (Stoff)Binden oder Periodenunterwäsche verwenden. Free Bleeding ist kein Wettbewerb, und das Ziel sollte auch nicht sein, dass du nie wieder einen Tropfen Blut in deiner Unterhose hast. Aber an den Tagen, an denen es klappt, kann freie Menstruation dir helfen, deine Periode angenehmer zu erleben. Gleichzeitig kann sie dein Körpergefühl stärken und das ist nicht nur während der Periode ein Vorteil. 😉


Dieser Artikel wurde geschrieben von: Kirsten

Kirsten ist die Gründerin von Waschbare Welt und Nachhaltigkeit ist ihr Herzensthema. Für ihre Kinder waren Stoffwindeln ein logischer Schritt. Seit 2023 ist sie ausgebildete Stoffwindelberaterin und hat schon viele Eltern begleitet. Mit der Zeit kamen weitere Themen dazu: Windelfrei, waschbare Periodenprodukte und Free Bleeding. Auch hier möchte sie Wissen teilen, Unsicherheiten nehmen und zeigen, wie einfach nachhaltige Lösungen sein können. Auf Instagram @waschbarewelt und hier auf waschbarewelt.com findest du Tipps, Erfahrungen und Empfehlungen: ehrlich, alltagstauglich und mit viel Liebe zur Natur.


Quellen: Netdoktor, Utopia, KORA MIKINO, VICE, erdbeerwoche, Vulvani, DIE ZEIT. Fotocredits: Weiße Unterhose mit Rose: Karola G. (Pexels); Frau im Bett: Cottonbro (Pexels).

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