Einwegwindeln und Stoffwindeln im Vergleich

Einwegwindeln und Stoffwindeln im Vergleich.

Lass uns mal ganz ehrlich sein: Der Großteil der Eltern benutzt Einwegwindeln, weil es einfach praktisch ist. Es macht wenig Arbeit und das Wickeln geht schnell. Viele denken, dass man mit Stoffwindeln sehr viel Wäsche hat oder dass sie teuer sind. Aber was, wenn ich dir sage, dass es am Ende oft sogar weniger Aufwand ist, weil Kinder mit Stoffwindeln meist schneller trocken werden? Und dass du dabei auch noch eine Menge Geld sparen kannst? Ich möchte aber auch ehrlich sein: Mit Stoffwindeln hast du etwas mehr Wäsche. Aber glaub mir – und vielen anderen Eltern, die mit Stoffwindeln wickeln – so schlimm, wie es klingt, ist es wirklich nicht. Und dazu kommt: Stoffwindeln können viele Vorteile für dein Baby haben. Lass uns deshalb mal Einweg- und Stoffwindeln im Vergleich anschauen, damit du eine bewusste Entscheidung treffen kannst.

Was ist am gesündesten für dein Baby?

Wenn Einwegwindeln für Babys zugelassen sind, können sie ja nicht so schlimm sein, oder? Tatsächlich werden Einwegwindeln, die in Europa verkauft werden, auf Schadstoffe geprüft und müssen bestimmte gesetzliche Richtlinien einhalten. Das bedeutet: Einzelne Stoffe dürfen nur in festgelegten Mengen enthalten sein, damit sie als sicher gelten. Allerdings beziehen sich diese Richtlinien weniger darauf, wie sich verschiedene Inhaltsstoffe in Kombination verhalten, wenn sie über einen langen Zeitraum hinweg direkten Hautkontakt haben. Genau das ist aber im Alltag der Fall: Die meisten Babys tragen Windeln fast rund um die Uhr – über mehrere Jahre hinweg.

Wie sich diese dauerhafte Belastung auswirkt, ist nicht eindeutig geklärt. Und dann kommt noch dazu, dass wir als Verbraucher nicht genau wissen, welche Materialien in einer Einwegwindel enthalten sind. Denn im Gegensatz zu Kosmetikprodukten sind Hersteller von Einwegwindeln nicht verpflichtet, alle Inhaltsstoffe anzugeben.

Einige Bestandteile sind jedoch bekannt: In den meisten Einwegwindeln befindet sich ein sogenannter Superabsorber (Natriumpolyacrylat). Diese kleinen Kügelchen nehmen Flüssigkeit durch einen chemischen Prozess auf und speichern sie im Inneren der Windel. Dadurch bleibt die Oberfläche für das Baby relativ trocken. Zusätzlich werden häufig Zellstoff (z. B. aus Holz), Paraffine sowie eine äußere Schicht aus Kunststoff verwendet.

Im Vergleich dazu sind Stoffwindeln meistens atmungsaktiver und kommen ohne solche absorbierenden Kunststoffe aus. Die verwendeten Materialien – zum Beispiel Bio-Baumwolle, Hanf oder Wolle – sind in der Regel genau angegeben. Das bedeutet: Bei Stoffwindeln weißt du genau, welche Materialien die Haut deines Babys berühren.

Ein weiterer Unterschied: Stoffwindeln sind meistens etwas dicker als Einwegwindeln, da sie keinen Superabsorber enthalten. Dadurch wird der Urin nicht sofort „weggeschlossen“ und das Baby spürt eher, wenn es nass wird. Das kann ein Grund sein, warum Babys, die mit Stoffwindeln gewickelt werden, oft schneller trocken werden.

Was ist besser für die Umwelt: Einwegwindeln und Stoffwindeln im Vergleich

Über die Umweltauswirkungen von Einwegwindeln und Stoffwindeln könnte man einen ganzen eigenen Artikel schreiben, aber ich versuche es hier kurz und verständlich zusammenzufassen. Einwegwindeln verbrauchen in der Herstellung große Mengen an Energie, Rohstoffen und Wasser. Gleichzeitig gilt das aber auch für Materialien wie (Bio-)Baumwolle, die in Stoffwindeln verwendet werden.

Ein großer Unterschied liegt jedoch in der Nutzungsdauer: Stoffwindeln können oft über mehrere Jahre hinweg und sogar für mehrere Kinder verwendet werden, während eine Einwegwindel nach einmaligem Gebrauch im Müll landet. Viele gehen davon aus, dass Einwegwindeln nach der Entsorgung vollständig verbrannt werden. Der Superabsorber in Einwegwindeln ist jedoch nicht biologisch abbaubar und bleibt auch nach der Verbrennung als Rückstand bestehen. Bestandteile von Einwegwindeln belasten unsere Umwelt also sehr lange.

Natürlich haben auch Stoffwindeln Auswirkungen auf die Umwelt. Sie müssen regelmäßig gewaschen werden und verbrauchen dabei Wasser, Strom und Waschmittel. Trotzdem kommen viele wissenschaftliche Studien zu dem Ergebnis, dass Stoffwindeln insgesamt nachhaltiger sind als Einwegwindeln – vor allem, wenn sie effizient genutzt werden.

Denn hier hast du selbst einen großen Einfluss: Stoffwindeln sind deutlich umweltfreundlicher, wenn die Waschmaschine möglichst voll beladen ist und die Windeln an der Luft getrocknet werden, statt im Trockner.

Einwegwindeln und Stoffwindeln im Vergleich: Neben den anderen Vorteilen sehen Stoffwindeln doch auch einfach schöner aus, oder?

Wie kann ich mein Baby am günstigsten wickeln?

Viele schreckt das Wickeln mit Stoffwindeln erstmal ab, weil die Anschaffung ziemlich teuer wirkt. Einwegwindeln fühlen sich da im ersten Moment günstiger an, weil eine einzelne Packung nicht so viel kostet. Aber wenn du dir mal ausrechnest, was du über die ganze Wickelzeit hinweg für Einwegwindeln ausgibst, sieht das plötzlich ganz anders aus. In den meisten Fällen kommst du mit Stoffwindeln am Ende deutlich günstiger weg.

Richtig sparen mit Stoffwindeln kannst du, wenn du sie auch für ein zweites Kind verwendest. Falls du nur ein Kind mit Stoff wickelst, kannst du die Stoffwindeln nach der Wickelzeit wieder verkaufen. Und wenn du von Anfang an weniger ausgeben möchtest, kannst du auch gebrauchte Stoffwindeln kaufen. Es gibt ein großes Angebot an gebrauchten Stoffwindeln, die teilweise noch neu sind, weil manche das Wickeln mit Stoffwindeln gleich wieder aufgegeben haben (wie du das vermeiden kannst, erfährst du am Ende des Artikels).

Was ist weniger Arbeit: Wegwerfwindeln oder Stoffwindeln?

Zeit ist wertvoll, und genau deshalb greifen viele erstmal zu Einwegwindeln. Ich dachte früher ehrlich gesagt auch, dass Stoffwindeln total aufwendig sind, aber moderne Stoffwindeln sind genauso einfach in der Handhabung wie Einwegwindeln.

Ein Nachteil stimmt aber: Mit Stoffwindeln hast du mehr Wäsche. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. In der Realität sind es jedoch oft nur etwa zwei zusätzliche Waschladungen pro Woche. Du kannst nämlich, nachdem du die Stoffwindeln kurz vorgewaschen hast, deine normale Wäsche einfach mit dazugeben.

Was mich selbst überrascht hat: Meine Kinder sind inzwischen 5 und 8 Jahre alt und brauchen schon lange keine Windeln mehr, aber ich habe heute tatsächlich mehr Wäsche als damals, als wir mit Stoffwindeln gewickelt haben. Im Alltag hat sich das mit den Stoffwindeln viel weniger nach „extra Arbeit“ angefühlt, als ich vorher gedacht hätte. Die Stoffwindeln haben uns sogar so gut gefallen, dass wir sie auch im Urlaub genutzt haben.

Und dann gibt es noch etwas, worüber kaum jemand spricht: Gute Stoffwindeln laufen oft weniger schnell aus als Einwegwindeln. Die extra Wäsche von Bodys, die wieder mal komplett voll sind, oder von nasser Bettwäsche kannst du dir also sparen.

Und dazu kommt noch ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Kinder, die mit Stoffwindeln gewickelt werden, werden im Durchschnitt früher trocken. Am Anfang hast du vielleicht ein bisschen mehr Wäsche, aber dafür insgesamt eine kürzere Wickelzeit.

Wegwerfwindeln und Stoffwindeln im Vergleich: Wer ist der Gewinner?

Letztendlich darf natürlich jede Familie für sich entscheiden, ob sie mit Stoffwindeln wickeln möchte oder nicht. Es gibt wahrscheinlich auch Situationen, in denen Einwegwindeln die bessere Wahl sind und das ist völlig okay. Aber wenn es für dich irgendwie möglich ist: Probiere Stoffwindeln doch einfach mal aus. Dafür musst du nicht gleich ein großes, teures Stoffwindelset kaufen. Ein paar (gebrauchte) Stoffwindeln zum Testen reichen völlig aus. Nimm dir ein paar Wochen Zeit, um dich daran zu gewöhnen, und entscheide dann selbst, ob es für euch passt. Was aber wirklich wichtig ist: Informiere dich vorher ein bisschen, damit du die passenden Stoffwindeln für dein Baby findest und sie nicht unbenutzt im Schrank landen. Um dir den Einstieg leichter zu machen, habe ich in diesem Artikel alles aufgeschrieben, was du für den Start mit Stoffwindeln wissen musst.


Dieser Artikel wurde geschrieben von: Kirsten

Kirsten ist die Gründerin von Waschbare Welt und Nachhaltigkeit ist ihr Herzensthema. Für ihre Kinder waren Stoffwindeln ein logischer Schritt. Seit 2023 ist sie ausgebildete Stoffwindelberaterin und hat schon viele Eltern begleitet. Mit der Zeit kamen weitere Themen dazu: Windelfrei, waschbare Periodenprodukte und Free Bleeding. Auch hier möchte sie Wissen teilen, Unsicherheiten nehmen und zeigen, wie einfach nachhaltige Lösungen sein können. Auf Instagram @waschbarewelt und hier auf waschbarewelt.com findest du Tipps, Erfahrungen und Empfehlungen: ehrlich, alltagstauglich und mit viel Liebe zur Natur.


Quellen:

Fotocredits:

Titelbild: Leah Newhouse (Pexels), Baby mit Windel: William Fortunato (Pexels), Stoffwindeln: Kirsten Marit Schoner.

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